Forum Globale Gesundheit 2026: Vom Review zum Aufbruch – Zukunft gemeinsam gestalten
Beim Forum Globale Gesundheit wurden anknüpfend an den Ergebnisbericht zum Review-Prozess der ‚Strategie der Bundesregierung zu globaler Gesundheit‘ sektorübergreifend Perspektiven für die künftige Ausrichtung Deutschlands und der EU in der globalen Gesundheitspolitik diskutiert.
Welche Verantwortung tragen Deutschland und Europa für eine wirksame globale Gesundheitspolitik in Zeiten geopolitischer Umbrüche? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Forum Globale Gesundheit, das am 19. Januar 2026 erstmals in Berlin stattfand. Vertreter:innen aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Jugend, Stiftungen und internationalen Organisationen kamen zusammen, um gemeinsam Bilanz zu ziehen und den Blick nach vorne zu richten. Das Forum, ausgerichtet vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und dem Global Health Hub Germany (GHHG), setzte den bewährten Dialog mit nicht-staatlichen Akteuren fort und markierte gleichzeitig einen wichtigen Meilenstein: den Abschluss des Review-Prozesses zur Strategie der Bundesregierung für globale Gesundheit.
Globale Gesundheit als strategische Kernfrage
Den Auftakt des Tages gestaltete Bundesgesundheitsministerin Nina Warken mit einer Videobotschaft, in der sie die Teilnehmenden mit ermutigenden Worten begrüßte. Sie machte deutlich, dass globale Gesundheit längst kein Randthema mehr sei, sondern angesichts geopolitischer Krisen, humanitärer Notlagen, kursierender Desinformation und veränderter globaler Machtverhältnisse zu einer strategischen Kernfrage für die Bundesregierung geworden ist.
„Denn die Förderung der globalen Gesundheit ist keineswegs nur nice to have, wenn man die sonstige wirtschafts- und sicherheitspolitische Agenda bereits abgearbeitet hat. Uns allen muss klar sein: Globale Gesundheit ist von zentraler Bedeutung - für das Wohlergehen unserer Bevölkerung, den Zusammenhalt der internationalen Staatengemeinschaft und die Entwicklung der globalen Wirtschaft.“ – Bundesgesundheitsministerin Nina Warken
Mit ihrem Appell unterstrich die Ministerin die Bedeutung von Multilateralismus, ressortübergreifender Zusammenarbeit und einer stärkeren Verankerung globaler Gesundheit in internationalen Entscheidungsprozessen, auch über den Gesundheitssektor hinaus.
Abschluss des Review-Prozesses
Diesen Kurs bekräftigte Staatssekretärin Katja Kohfeld mit der Vorstellung der Midterm-Review der Globalen Gesundheitsstrategie, dem zentralen Papier der Veranstaltung. Die Review bestätigte die anhaltende Relevanz der bisherigen Prioritäten und schärfte zugleich den strategischen Fokus mit acht Schwerpunkten für den Zeitraum 2025–2030:
Gesundheitsförderung und Prävention
Bekämpfung von Infektionskrankheiten und nicht übertragbarer Krankheiten, einschließlich der Förderung der mentalen Gesundheit
Klimawandel-resilienter und Klima-neutraler Gesundheitssysteme
Stärkung von Gesundheitsfinanzierungssystemen und lokaler Produktion in Partnerländern
Stärkung der deutschen Gesundheitswirtschaft
Stärkung von Prävention, Vorsorge und Reaktion auf Pandemien
Forschung und Innovation
Zugleich machte Staatssekretärin Kohfeld deutlich, dass globale Gesundheit zunehmend europäisch gedacht werden müsse. Der „Health in All Policies“-Ansatz und eine stärkere Rolle der EU seien dabei zentrale Voraussetzungen.
Gemeinsam Zukunft denken: Zukunftswerkstatt Globale Gesundheit
Ein besonderes Highlight des Tages war die interaktive Zukunftswerkstatt Globale Gesundheit. In sektorübergreifend zusammengesetzten Teams arbeiteten die Teilnehmenden zu drei prioritären Themenfeldern: Forschung und Innovation, Pandemic Prevention, Preparedness and Response (PPPR) und klimaresiliente und klimaangepasste Gesundheitssysteme. Mit großer Motivation und reger Beteiligung der Teilnehmenden wurden zentrale Funktionen einer zukunftsfähigen globalen Gesundheitsarchitektur identifiziert und konkrete Handlungsempfehlungen für die Bundesregierung entwickelt.
Die europäische Perspektive im Fokus
Mit einem Kurzbericht von Lisa Heinrich vom Wellcome Trust zu den Ergebnissen des Europa-Dialogprozesses des Wellcome Trusts weitete sich der Blick am Nachmittag auf die europäische Ebene. Aufbauend auf den Ergebnissen der Zukunftswerkstatt diskutierten anschließend hochrangige Vertreter:innen aus EU-Institutionen, Bundesregierung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft die Frage, welche Rolle die EU künftig in der globalen Gesundheit spielen sollte. Die Paneldiskussion wurde von Katri Bertram (Senior Expertin für globale Gesundheit) moderiert. Mit dabei waren Florina Telea (Europäische Kommission), Björn Kümmel (Bundesministerium für Gesundheit), Prof. Dr. Dr. Till Bärnighausen (Heidelberg Institute for Global Health) und Marwin Meier (World Vision Deutschland e.V.).
Die Paneldiskussion und der Austausch mit dem Publikum machten Eines besonders deutlich: Ein starkes europäisches Engagement und der Einsatz für den Multilateralismus sind angesichts globaler Umbrüche wichtiger denn je. Zugleich bestand Einigkeit darüber, dass politisches Commitment, strategische Kohärenz und Sichtbarkeit entscheidend sind, um europäische Beiträge in konkrete Wirkung zu übersetzen. Eine stärkere Führungsrolle der EU mit einer einheitlichen Stimme und klar abgestimmten Zielen wurde als zentral für eine wirksame globale Gesundheitspolitik hervorgehoben. Potenzial dafür bietet die geplante EU-Initiative zu „Global Health Resilience“. Nachhaltige Finanzierung, eine klare Aufgabenverteilung zwischen den Mitgliedstaaten und thematische Führungsrollen können Kohärenz und Wirksamkeit europäischer Beiträge stärken. Zudem wurde Europas Potenzial betont, als verlässlicher Partner und Brückenbauer zwischen Afrika, Asien und Lateinamerika partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe einzugehen und zu fördern.
Ein gemeinsamer Ausblick
Abgerundet wurde das Forum durch das Schlusswort von Paul Zubeil, Unterabteilungsleiter für Europäische und internationale Gesundheitspolitik im Bundesministerium für Gesundheit. Er betonte, dass Führung in der globalen Gesundheit vor allem Klarheit und Verlässlichkeit erfordere. Eine gemeinsame europäische Stimme sei entscheidend, um die globale Gesundheitsarchitektur aktiv mitzugestalten. Herr Zubeil betonte die Bedeutung des Forums als partizipativen Raum zur Einbindung der Expertise und der Perspektiven nichtstaatlicher Akteure in den Strategieprozess und hob zugleich die Handlungsempfehlungen der Zukunftswerkstatt hervor, die in die Arbeit der Bundesregierung einfließen sollen.
Das Forum Globale Gesundheit 2026 erwies sich als voller Erfolg und zeigte, wie wertvoll strukturierter Austausch ist. Gerade in herausfordernden Zeiten ist die enge Vernetzung zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren ein ermutigendes Signal, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen und globale Gesundheitspolitik in Deutschland, Europa und weltweit zukunftsfähig zu gestalten.