Drei wichtige Erkenntnisse von der 79. Weltgesundheitsversammlung: Vom Reden ins Handeln
Die 79. Weltgesundheitsversammlung (World Health Assembly, WHA) fand vom 18. bis 23. Mai vor dem Hintergrund zunehmender globaler Konflikte, zweier internationaler Krankheitsausbrüche und den Auswirkungen der beispiellosen Kürzungen weltweiter Hilfsleistungen statt.
Letztere werden Schätzungen zufolge bis 2030 zu 5,4 Millionen zusätzlichen Todesfällen bei Kindern unter fünf Jahren führen. Die umfangreiche Tagesordnung der WHA und langwierigen Diskussionen in Genf machen es schwierig, einen Überblick über die Auswirkungen der Sitzungen vor Ort zu erlangen. Dennoch lohnt es sich, einen Blick auf einige Ergebnisse zu werfen, die Möglichkeiten zur Verbesserung der Gesundheit von Kindern bieten.
Ein pausiertes Pandemie-Abkommen inmitten eines schweren Ebola-Ausbruchs
Leider ist es den Mitgliedstaaten nicht gelungen, den Annex zum Zugang zu Krankheitserregern und den Vorteilsausgleich (Pathogen Access and Benefit Sharing, PABS) abzuschließen, eine Voraussetzung für das Vorantreiben des Pandemieabkommens. Sie haben beschlossen, die Verhandlungen nach der WHA fortzusetzen, möglicherweise erst im Jahr 2027. Dies steht im starken Kontrast zur Realität des Ebola-Ausbruchs, bei dem sich eine Krise mehrerer sich überlagernder Faktoren - die Kürzung finanzieller Hilfen, Konflikte, humanitäre Krisen und Krankheitsausbrüche - in der Demokratischen Republik Kongo verdichtet, und bei der jeder vierte Todesfall ein Kind ist.
Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die Mitgliedstaaten schnell zu einer Einigung kommen und gerechte Lösungen für den Zugang zu Krankheitserregern und den Vorteilsausgleich finden, um das Pandemie-Abkommen auf einer Sondersitzung der WHA noch in diesem Jahr voranzubringen. Weiteres Momentum für das Vorantreiben von Pandemieprävention, -vorsorge und -reaktion (PPPR) muss zudem beim UN-HLM zu PPPR im September gewonnen werden. Denn erst wenn 60 Länder das Abkommen in New York ratifiziert haben, wird es in Kraft treten.
Bis dahin sollte die internationale Gemeinschaft einen Weg finden, die Pandemievorsorge in allen Bereichen zu unterstützen; das Fehlen einer zuverlässigen und funktionierenden medizinischen Grundversorgung führt derzeit zu vermeidbaren Todesfällen und Erkrankungen und macht eine rasche Mobilisierung von Ressourcen dringend erforderlich.
Die Neugestaltung der globalen Gesundheitsarchitektur
Positiv zu vermerken ist, dass die Mitgliedstaaten einen Prozess zur Neugestaltung der globalen Gesundheitsarchitektur beschlossen haben, d.h. der Gesamtheit der Organisationen, die Länder mittleren und geringen Einkommens bei der Verbesserung der Gesundheit mit Hilfe von Gebermitteln unterstützen. Die WHO ist zwar die einzige legitime Instanz, die verschiedene Initiativen und Interessengruppen zusammenbringen kann, aber die große Zahl der beteiligten Akteure und die unterschiedlichen Ansichten der Mitgliedstaaten machen den Prozess zu einem komplexen Unterfangen.
Gleichzeitig ist das, was wir brauchen, recht simpel: eine Angleichung an die Bestrebungen der Länder, die Grundlagen für ein starkes, widerstandsfähiges nationales Gesundheitssystem zu schaffen, das auf der primären Gesundheitsversorgung aufbaut und Bürger*innen durch die universelle Gesundheitsgrundversorgung vor Zahlungen aus eigener Tasche schützt.
Besorgniserregend ist, dass trotz der Forderung vieler Mitgliedstaaten, die Zivilgesellschaft einzubeziehen, die Akteure der Zivilgesellschaft in der endgültigen Fassung nicht in die gemeinsame Taskforce aufgenommen wurden, die über die Empfehlungen entscheiden wird. Die Zivilgesellschaft wird weiterhin nur am Rande konsultiert. Damit bleiben die Vertreter*innen betroffener Gemeinschaften und die Akteure der humanitären Hilfe und der Entwicklungszusammenarbeit, die diese erreichen, außen vor.
Mit der zunehmenden Politisierung von Themen innerhalb der WHO ist es wahrscheinlich, dass die Arbeit zu sexueller und reproduktiver Gesundheit und Rechten sowie zum Klimawandel zurückgedrängt werden wird. Die Zivilgesellschaft und andere Partner sollten den Prozess genau im Auge behalten und sicherstellen, dass er sinnvolle Veränderungen bewirkt.
Eine neue Strategie, um die Gesundheit in den Mittelpunkt der Wirtschaft zu stellen
Erst am letzten Tag und mit wenig Aufmerksamkeit angesichts all dessen, was in der Welt vor sich geht, wurde die neue Strategie zur Ökonomie der Gesundheit für alle angenommen. Auch wenn sie nach einem Jahr Verhandlungen nicht so ehrgeizig ist wie die ursprünglichen Empfehlungen und Berichte der Kommission der Weltgesundheitsorganisation zur Ökonomie der Gesundheit für alle, so ist es doch eine positive Entwicklung, dass ein Umdenken in der Wirtschaft stattfindet, das die Gesundheit in den Mittelpunkt der Wirtschaft stellt und nicht als Kostenfaktor betrachtet.
Allerdings werden systemische Hindernisse wie Schulden und illegale Finanzströme, die Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen daran hindern, in Gesundheit zu investieren, in der Strategie nicht angesprochen. Da die Strategie derzeit kaum finanziert ist, ist es letztlich an den Ländern, sie in die Tat umzusetzen.
Um die Diskussion um Gesundheitsfinanzierung zu unterstützen, organisierte Save the Children ein Side-Event und entwickelte in Zusammenarbeit mit der WHO-Kommission für die Zivilgesellschaft vier Forderungen zu Gesundheitsfinanzierung, die bereits von mehr als 100 Organisationen unterzeichnet wurden und bei einem Side-Event vorgestellt wurden.
Die Chance auf Wandel nutzen
Die Weltgesundheitsversammlung wird immer ein Ort sein, an dem Gesundheit durch "Worte" verbessert wird. Trotz der globalen Spannungen liegt es nun an den Mitgliedstaaten, Entscheidungen umzusetzen, sich für den Schutz der Gesundheit einzusetzen und die globalen Diskussionen in tatsächliche Verbesserungen für das Leben von Kindern umzusetzen.
Wir haben Renée de Jong (Senior Advocacy Advisor, Save the Children, Geneva Advocacy Office) und Patricia Kramarz (Senior Advocacy Manager, Save the Children Deutschland) gebeten, mit uns die aus ihrer Sicht wichtigsten Ergebnisse der 79. Weltgesundheitsversammlung zu teilen. Die von ihnen geäußerten Ansichten sind ihre eigenen und spiegeln nicht notwendigerweise die des Global Health Hub Germany wider.
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