Virchow-Preis 2026 an Ebola Pioniere vergeben

03. November 2026 I  News from the Hub  I von : Michael Bader, Virchow Foundation
©Virchow Foundation

Jean-Jacques Muyembe-Tamfum und Peter Piot erhielten den mit 500.000 Euro dotierten Virchow-Preis 2026 für ihre wegweisende Ebola-Forschung und ihr globales Gesundheitsengagement.

Am 10. Oktober 2026 übergaben die Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Reem Alabali Radovan, und die Berliner Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege, Dr. Ina Czyborra, im Festsaal des Roten Rathauses in Berlin vor rund 300 Gästen aus Wissenschaft, Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft aus aller Welt den mit 500.000 Euro dotierten Virchow-Preis 2026.

Die Laureaten

Der Preis ging zu gleichen Teilen an den kongolesischen Wissenschaftler Professor Jean-Jacques Muyembe-Tamfum und den belgischen Wissenschaftler Professor Peter Piot. Beide werden für ihre wegweisenden Beiträge zur Erforschung und Bekämpfung von Epidemien sowie für ihr langjähriges Engagement für internationale Zusammenarbeit im Bereich der Globalen Gesundheit geehrt. Die Laudatio auf die Preisträger hielt Dr. Chikwe Ihekweazu, Stellvertretender Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Jean-Jacques Muyembe-Tamfum hat über Jahrzehnte Ebola-Ausbrüche in der Demokratischen Republik Kongo untersucht und dort wissenschaftliche und medizinische Strukturen zur Erkennung und Bekämpfung von Epidemien aufgebaut. Er war maßgeblich an der Erforschung von Ebola beteiligt und ist Mitentwickler des monoklonalen Antikörpers mAb114, einer zugelassenen Behandlung gegen Ebola.

Peter Piot hat neben der Forschung besonders auch seine Erfahrungen aus der Ebola-Forschung in die internationale Gesundheitspolitik eingebracht. Er ist Gründungsdirektor von UNAIDS, das offizielle Programm der Vereinten Nationen, das den weltweiten Kampf gegen HIV/AIDS steuert und koordiniert. Und auch in anderen internationalen Funktionen prägte er die globale Zusammenarbeit bei der Bekämpfung grenzüberschreitender Gesundheitskrisen.

Die Virchow Foundation und der Virchow-Preis

Der Virchow-Preis wird jährlich von der gemeinnützigen, unabhängigen Virchow Foundation verliehen. Die Stiftung wurde 2021 in Berlin anlässlich des 200. Geburtstags von Rudolf Virchow in Zusammenarbeit mit den Präsidenten der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) gegründet. Ihr Ziel ist es, das Vermächtnis des Berliner Arztes, Wissenschaftlers und Politikers Rudolf Virchow zu würdigen und die Verantwortung von Wissenschaft und Gesellschaft für die Verbesserung der globalen Gesundheit zu stärken.

„Die Medizin ist eine soziale Wissenschaft, und die Politik ist weiter nichts, als Medizin im Grossen.“ - Rudolf Virchow

Rudolf Virchow verband Wissenschaft, Medizin, Politik und Gesellschaft. Bereits vor mehr als 175 Jahren erkannte er, dass die Gesundheit des Einzelnen untrennbar mit der Gesundheit der Gesellschaft verbunden ist. Wissenschaft bedeutete für ihn nicht nur Erkenntnisgewinn, sondern auch Verantwortung und die Verpflichtung zum Handeln. Er setzte sich für Freiheit, Bildung, Aufklärung, Wohlstand und soziale Gerechtigkeit ein. Zugleich forderte er einen gerechten Zugang zur Gesundheitsversorgung und eine Verfassungsordnung, die das Recht jedes Menschen auf ein gesundes Leben schützt.

Virchow verstand Gesundheit als Ergebnis weitreichender gesellschaftlicher Zusammenhänge. Sie ist weder allein die Verantwortung des Einzelnen noch eine ausschließliche Aufgabe der Medizin. Vielmehr wird sie maßgeblich durch politische Entscheidungen und gesellschaftliche Lebensbedingungen geprägt.

Dieses ganzheitliche, wissenschaftlich fundierte und humanistische Gesundheitsverständnis ist bis heute wegweisend. Virchows Ideen wirken über Generationen und Ländergrenzen hinweg und erinnern uns daran, dass Gesundheit, soziale Gerechtigkeit und gesellschaftliche Verantwortung untrennbar miteinander verbunden sind.

Ihren wohl umfassendsten Ausdruck findet diese Perspektive heute in der Agenda 2030 der Vereinten Nationen und ihren 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung, den Sustainable Development Goals (SDGs). Sie bilden einen gemeinsamen Handlungsrahmen, um eine nachhaltige Entwicklung voranzubringen und die Lebensbedingungen der Menschen weltweit zu verbessern.

Die Arbeit der Virchow Foundation orientiert sich an den Werten der SDGs, die zugleich zentrale Elemente von Rudolf Virchows Vermächtnis bilden: Menschlichkeit, gesundheitliche Chancengerechtigkeit, wissenschaftliche Integrität und das unermüdliche Streben nach Erkenntnis im Dienste aller Menschen.

Ausgehend von diesem Anspruch verfolgt die Stiftung ein ganzheitliches Verständnis von Gesundheit und Krankheit. Sie betrachtet Gesundheit nicht isoliert als medizinische Fragestellung, sondern berücksichtigt ebenso die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen, die sie beeinflussen. Da diese Faktoren eng miteinander verflochten sind, müssen sie gemeinsam betrachtet und adressiert werden, um gesundheitliche Herausforderungen nachhaltig und wirksam zu bewältigen.

Ein zentrales Instrument, um diesen Anspruch sichtbar zu machen und herausragendes Engagement zu würdigen, ist der Virchow-Preis. Seit fünf Jahren zeichnet die Stiftung damit Persönlichkeiten aus, die sich in besonderer Weise für die Verwirklichung der SDGs, die Verbesserung der globalen Gesundheit, die Förderung von Bildung und Kultur sowie die Entwicklung gesunder Städte einsetzen. Gewürdigt werden wissenschaftliche, politische, soziale und wirtschaftliche Leistungen und Innovationen, die im Geiste Rudolf Virchows zu einer gesünderen und gerechteren Welt beitragen.

Zu den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern zählen John N. Nkengasong, Rose Gana Fomban Leke, Johan Rockström, Lucy Gilson, Zulfiqar A. Bhutta und Quarraisha Abdool Karim.

Kommentare zur Preisverleihung

Die Virchow-Preis-Laureaten 2026 Jean-Jacques Muyembe-Tamfum und Peter Piot gaben ein gemeinsames Statement ab, nachdem sie in einem sehr bewegenden Moment der Preisverleihung mit stehenden Ovationen geehrt worden waren:

„Wir fühlen uns sehr geehrt, den renommierten Virchow-Preis zu erhalten, und sind tief bewegt, dass wir diese Auszeichnung nach vielen Jahrzehnten der Zusammenarbeit und Freundschaft gemeinsam entgegennehmen dürfen. Es ist zudem ein Privileg, in die Fußstapfen der früheren Preisträger zu treten. "

Die Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Reem Alabali Radovan sagte in ihrer Begrüßung: „Die beiden ausgezeichneten Virologen stehen für herausragende wissenschaftliche Leistungen und jahrzehntelanges Engagement bei der Erforschung und Bekämpfung von Ebola.“

Weitere Grußwortredner waren Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie Roland Göhde, Mitgründer & Geschäftsführendes Mitglied des Stiftungsvorstands der Virchow Foundation.

Die Preisverleihung wurde moderiert von Dr. Miriam Orcutt, Mitglied des Kuratoriums der Virchow Foundation und ehemalige Direktorin der Commission on Migration and Health des Lancet, dem weltweit wichtigsten Medizinfachmedium.

Professor Detlev Ganten, Mitgründer und Mitglied des Kuratoriums der Virchow Foundation bezeichnete die Virchow-Preis 2026 Laureaten als würdige Nachfolger von Rudolf Virchow, der als erster eindringlich auf die soziale und gesellschaftliche Verantwortung der Wissenschaft hingewiesen hatte.

Die Preisverleihung endete mit dem Aufruf zur Nominierung für den Virchow-Preis 2027 durch die Vorsitzenden des Virchow-Preis Komitees, Professor Quarraisha Abdool Karim und Professor Ole Petter Ottersen.

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