Rückblick: World Health Summit 2026 – Die globale Gesundheitsarchitektur als Querschnittsthema

21. Oktober 2026 I  Externes Event ,  News from the Hub  I von : Saskia Bußjäger, Global Health Hub Germany
Carsten Linnemann at the World Health Summit 2026. ©WHS/Steffen Kugler

Der diesjährige World Health Summit (WHS) stand unter dem Motto „From Crisis to Resilience: Innovating for Health“ („Von der Krise zur Resilienz: Innovationen für die Gesundheit“). Vom 11. bis 13. Oktober kamen in Berlin und online Teilnehmer*innen aus aller Welt zusammen. In diesem Artikel blicken wir auf ausgewählte Veranstaltungen zurück und stellen einige unserer Highlights vor.

Ein zentrales Thema der diesjährigen Diskussionen auf dem WHS war die Reform der globalen Gesundheitsarchitektur (Global Health Architecture, GHA) – also jener Institutionen und Partnerschaften, die die internationale Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich prägen. Die Teilnehmer*innen diskutierten darüber, wie sich die Koordination verbessern, Prioritäten aufeinander abstimmen und die globale Zusammenarbeit so gestalten lässt, dass sie wirksam auf die heutigen gesundheitlichen Herausforderungen reagieren kann.

Die Zukunftsvisionen der Kandidat*innen für das Amt der WHO-Generaldirektion

Am Sonntag begrüßte Björn Kümmel, Leiter des Referats Globale Gesundheitspolitik im Bundesministerium für Gesundheit (BMG), die Kandidat*innen für das Amt des Generaldirektors (DG) der Weltgesundheitsorganisation (WHO), um mit ihnen über die Zukunft der WHO und der globalen Gesundheitsarchitektur zu sprechen. Er eröffnete die Diskussion mit der Frage: „Es gab zahlreiche Initiativen zur Reform der globalen Gesundheitsarchitektur. Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen, und wie würden Sie diese angehen?“

Die Kandidatinnen verwiesen auf die Herausforderungen bei der Finanzierung, die Notwendigkeit, die eigentlichen Adressatinnen und Nutznießer*innen der globalen Gesundheitsarchitektur im Blick zu behalten, sowie auf die Tatsache, dass die bestehenden Strukturen für eine andere Zeit geschaffen wurden. Darüber hinaus betonten sie, wie wichtig es sei, Empfehlungen in konkrete Maßnahmen zu überführen. Im weiteren Verlauf richtete sich die Diskussion auf die Reform der WHO und die Frage, wie sich die Organisation auf die Zukunft vorbereiten kann. Die Antworten der Kandidat*innen auf die Frage, welche Ziele sie in ihren ersten 100 Amtstagen erreichen wollen, reichten von einer stärkeren Konzentration auf das Kernmandat der Organisation über ein verbessertes Veränderungsmanagement und die Schaffung eines motivierenden Arbeitsumfelds bis hin zur Ermutigung von Ländern, der WHO wieder beizutreten. 

Wie der Globale Süden und der Globale Norden eine resilientere globale Gesundheitsarchitektur gestalten

Während sich die Kandidat*innen für das Amt des WHO-Generaldirektors auf die Herausforderungen bei der Reform der WHO und der umfassenderen globalen Gesundheitsarchitektur konzentrierten, untersuchte die vom WHS gemeinsam mit dem Bundesministerium für Gesundheit ausgerichtete Sitzung „Die Rolle der EU in der globalen Gesundheit: Europas Stärken nutzen“, wie Europa zur Bewältigung dieser Herausforderungen beitragen kann. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie die Europäische Union ihre Führungsrolle angesichts geopolitischer Fragmentierung, geschwächter multilateraler Institutionen und zunehmender Lücken bei der Finanzierung und Vorsorge im Bereich der globalen Gesundheit stärken kann. Vertreter*innen der Europäischen Kommission, der WHO, von Regierungen und der Industrie brachten ihre Perspektiven ein. Gemeinsam diskutierten sie, wie Europa seine Expertise im Bereich der öffentlichen Gesundheit, seine Forschungs- und Innovationskapazitäten sowie sein Bekenntnis zur multilateralen Zusammenarbeit nutzen kann, um eine resilientere globale Gesundheitsarchitektur mitzugestalten. Eine zentrale Frage war, wie die EU und ihre Mitgliedstaaten gemeinsame Prioritäten festlegen und den Mehrwert ihres Engagements sowohl für Europa als auch für seine globalen Partner*innen verdeutlichen können. In seinem abschließenden Appell unterstrich Mohamed Yakub Janabi, WHO-Regionaldirektor für Afrika, die Bedeutung gleichberechtigter Partnerschaften. Er rief dazu auf, „Steht an der Seite Afrikas – nicht als Nutznießer*innen, sondern als Partner*innen“. Eine Forderung, die insbesondere in Bezug auf globale Machtasymmetrien wichtig ist, in einer globalen Gesundheitslandschaft die noch immer von starkem Eurozentrismus und kolonialen Kontinuitäten geprägt ist.  

Dieser Aufruf zur partnerschaftlichen Zusammenarbeit fand auch in der Diskussion „Der Accra Reset: Ein neuer globaler Entwicklungsrahmen“ Widerhall. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie globale Gesundheitsreformen die Prioritäten und die Führungsrolle der einzelnen Länder besser berücksichtigen können. Die Sitzung befasste sich mit einer vom Globalen Süden getragenen Initiative, deren Ziel es ist, Empfehlungen in politisches Handeln zu überführen und ein System aufzubauen, das weniger stark von externer Finanzierung abhängig ist. Der Bericht des hochrangigen Expert*innengremiums unter der Leitung von Präsident John Dramani Mahama mit dem Titel „A sovereign future for health“ („Eine souveräne Zukunft für die Gesundheit“) enthält zehn Empfehlungen, die ausdrücklich praxisorientiert und umsetzbar sein sollen. Jede Empfehlung legt fest, was geschehen muss, wie und von wem es umgesetzt werden soll und bis wann dies erfolgen soll. Den vollständigen Bericht finden Sie hier: https://www.accrareset.org/UNGA81/HLP

Die Redner*innen betonten, dass es im Bereich der globalen Gesundheit nicht an fachlichen Prozessen und technischen Ansätzen mangele. Die eigentliche Herausforderung bestehe vielmehr darin, Empfehlungen in konkrete Maßnahmen umzusetzen. Der Accra Reset setze genau an dieser Stelle an: Er rücke die Reform auf die politische Agenda der Staats- und Regierungschefinnen und zeige einen Weg nach vorn auf. Politische Führung könne, so ihre Einschätzung, die Gremien internationaler Institutionen eher zu Veränderungen bewegen, als es fachliche Beratung allein vermag.

Resilienz in Kriegs- und Krisenzeiten

Die Frage, wie sich Reformen unter der Führung der Länder vorantreiben und Gesundheitssysteme stärken lassen, stand auch im Mittelpunkt einer bereits am Sonntag stattfindenden Sitzung. Dabei ging es um die Bedeutung von Resilienz, wenn Gesundheitssysteme mit Krieg und anderen Krisen konfrontiert sind. 

Deutschlands neu ernannter Gesundheitsminister Carsten Linnemann eröffnete die Sitzung „Resilienz im Gesundheitswesen: Erfahrungen aus der Ukraine und anderen Krisenkontexten“ und bekräftigte Deutschlands Unterstützung für die Ukraine: „Deutschland steht fest an der Seite der Ukraine. Sie können sich auf uns verlassen.“

Er betonte, dass Gesundheitssysteme auf kriegsbedingte Krisen vorbereitet sein und auch unter extremem Druck funktionsfähig bleiben müssen. Darüber hinaus hob Linnemann hervor, dass Krisenresilienz eine gemeinsame gesellschaftliche Verantwortung sei, und sprach sich für grenzüberschreitende Zusammenarbeit und Solidarität aus. 

Im Anschluss hielt der ukrainische Gesundheitsminister Viktor Liashko eine bewegende Rede. Anhand von Zahlen und Bildern, die die Angriffe auf das ukrainische Gesundheitssystem dokumentierten, veranschaulichte er das Ausmaß und die Folgen des Krieges. Zugleich schilderte er die persönlichen Erfahrungen von Patient*innen sowie Beschäftigten im Gesundheitswesen, die täglich mit den Konsequenzen konfrontiert sind. Liashko erläuterte, welche Erkenntnisse die Ukraine während des Krieges gewonnen hat und welchen Beitrag diese Erfahrungen zur globalen Gesundheit leisten können. Dabei erinnerte er das Publikum daran, die Menschenleben hinter den Zahlen nicht aus den Augen zu verlieren.

Zeitreisen, Zusammenarbeit europäischer Global-Health-Plattformen und Vernetzung der Community: Die Aktivitäten des GHHG beim WHS

Der Global Health Hub Germany (GHHG) war an der Organisation verschiedener Formate beteiligt, die zum Austausch und zur Diskussion auch außerhalb der WHS-Veranstaltungen anregten. Dazu gehörte die Side-Event-Veranstaltung „Critical Choices: Beyond the Pathogen. The Social Dimension of Pandemic Preparedness“ („Entscheidende Weichenstellungen: Über den Erreger hinaus – die soziale Dimension der Pandemievorbereitung“). Sie eröffnete eine wichtige Diskussion über die Rolle sozialer Faktoren bei der Bewältigung künftiger Pandemien.

Darüber hinaus organisierte der GHHG ein Mittagessen für die Leiter*innen seiner Communities und die Mitglieder des Lenkungskreises, die am WHS teilnahmen. Die Veranstaltung bot Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen und Erfahrungen auszutauschen.

Des Weiteren fand ein Workshop mit internationalen Global Health Hubs statt, bei dem Möglichkeiten zur Stärkung der Zusammenarbeit zwischen europäischen Global-Health-Plattformen erörtert wurden. Eine zentrale Erkenntnis war, dass gemeinsames Handeln notwendig ist, um die politische und finanzielle Unterstützung für die globale Gesundheit langfristig zu sichern.

Zusammengenommen schufen diese Veranstaltungen Raum, um gemeinsame Herausforderungen zu diskutieren, neue Kontakte zu knüpfen und Perspektiven für die künftige Zusammenarbeit auszuloten. Der World Health Summit bot dem GHHG die Gelegenheit, sich in wichtige Diskussionen einzubringen, seine Community mit internationalen Partner*innen zu vernetzen und neue Wege der Zusammenarbeit zu erkunden. Der Austausch in Berlin verdeutlichte den Wert gemeinsamer Verantwortung und kontinuierlicher Kooperation. Zugleich schuf er eine wichtige Grundlage für die weitere Arbeit des GHHG: unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und dazu beizutragen, eine resilientere Zukunft für die globale Gesundheit zu gestalten.

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