Tag Eins des Global Health Talks 2022: Innovative Lösungen für Globale Gesundheit

11. Juli 2022 I  Neues aus dem Hub

Beim Global Health Talk diskutierten über 150 Expert*innen Lösungsansätze für Globale Gesundheit mit dem Fokus auf Klimawandel, Gesundheitsarchitektur und Pandemievorsorge.

Auf dem jährlichen Treffen des Global Health Hub Germany kamen vom 5. bis 6. Juli 2022 rund 150 Expert*innen im Umweltforum Berlin für einen intensiven Austausch zu den aktuellen Themen Globaler Gesundheit zusammen. Darüber hinaus waren über 600 Teilnehmende digital zugeschaltet und konnten ihre Fragen online stellen. Am ersten Veranstaltungstag standen drei Themen im Fokus der Diskussionen: Klimawandel, globale Gesundheitsarchitektur sowie die Pandemievorsorge und -reaktion im Rahmen der deutschen G7-Präsidentschaft. Die Rolle Deutschlands in diesem Zusammenhang wurde in den Diskussionsrunden immer wieder aus den Blickwinkeln verschiedener Interessengruppen beleuchtet.

Ein Netzwerk für innovative Lösungen

Verbindungen knüpfen, Netzwerke mit Leben füllen und gemeinsam Ideen in die Tat umsetzen – dies sind die Wege zu nachhaltigen Lösungen für das Wohlergehen der Menschen weltweit. Diese Vision teilen auch die Mitglieder des Global Health Hub Germany. Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach betonte in seiner Eröffnungsrede: „Der Global Health Talk bietet den Raum, sich zu Lösungsideen für die drängenden Fragen der Globalen Gesundheit auszutauschen. Der Global Health Hub sollte wachsen, um weitere Akteure aus allen Disziplinen zusammenzubringen. Hierfür wird das Bundesgesundheitsministerium den Hub in den kommenden Jahren weiterhin unterstützen. “ Die Mitglieder des Hub-Lenkungskreises Dr. Christoph Benn, Joep Lange Institute, Sophie Gepp, KLUG – Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V., und Tobias Kahler, Bill & Melinda Gates Foundation, begrüßten diese Zukunftsperspektive und stellten die neue Strategie des Hubs vor. Diese fußt auf drei Säulen: den Ausbau des Netzwerkes, die Verstärkung der Wirkungen und die Zusammenarbeit mit politischen Entscheidungsträger*innen. Die Anknüpfung an die Ziele der deutschen G7-Präsidentschaft und die Empfehlungen für nachhaltige Investments in Globale Gesundheit sind dabei besonders wichtig. Hierfür brauche es starke intersektorale Partnerschaften und gegenseitiges Lernen. Niels Annen, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), bekräftigte dies in seinem Redebeitrag: „Wir brauchen eine eng verzahnte, präventiv ausgerichtete Zusammenarbeit über Disziplingrenzen hinweg.“

Klimawandel – Mut und Schnelligkeit sind gefragt

Gesundheit hat im Klimawandel zwei Gesichter. Zum einen Gesundheitsrisiken, die aus den Folgen des Klimawandels entstehen, zum anderen trägt der Gesundheitssektor auch Verantwortung, seinen eigenen ökologischen Fußabdruck zu reduzieren. Welche Rolle könnte Deutschland hier einnehmen und was wären konkrete nächste Schritte? Deutschland solle sich auf die Prävention des Klimawandels fokussieren. Dafür brauche es vor allem Partnerschaften – mit Akteur*innen vor Ort und mit politischen Entscheidungsträger*innen. Dr. Johanna Hanefeld, Robert Koch Institute (RKI), sprach sich für mehr generations- und länderübergreifende Zusammenarbeit aus. Nur gemeinsam könnten die Vereinbarungen der G7 auch in die Tat umgesetzt werden. Sophie Gepp stellte heraus, dass die Finanzierung der Gesundheitsziele noch nicht ausreichend gegeben sei und sah hier dringenden Handlungsbedarf. Melvine Anyango Otieno, Planetary Health Eastern Africa Hub, stimmte zu und konkretisierte: „Ein Muss für Deutschland ist es, in langfristige Forschung zu investieren, die die Fragen des Klimawandels behandelt - insbesondere die Themen mentale Gesundheit, Ernährungssicherheit und Hitzewellen." Um die Themen Gesundheit und Klima nachhaltig zu verbinden, brauche es vor allem politischen Willen und auch nationale Strategien zur konkreten Umsetzung. Der Rat der Expert*innen in aller Kürze: „Seid mutiger, seid schneller!“, fasste Dr. Manraj Phull, Greener, NHS England, zusammen.

Globale Gesundheitsarchitektur – Deutschland als Brückenbauer

Was kann Deutschland tun, um die Gesundheitsarchitektur weiter zu verbessern? „Der Kreislauf von Panik und Nachlässigkeit muss durchbrochen werden. Wir treffen oft Entscheidungen, die ängstlich sind", sagte Elhadj As Sy, Kofi Annan Foundation, und wünschte sich von Deutschland eine weiterhin starke internationale Vorreiterrolle, wie aktuell bei den G7 – und dies auf lange Sicht gedacht. Nach Dr. Bernhard Braune, BMZ, brauche es dafür vor allem Investment in Prävention. Denn Krisen zu verhindern - bevor sie entstehen - sei mit weniger Kosten verbunden als für den Umgang mit Gesundheitskrisen vorzusorgen. Zudem nannte er einen ganzheitlichen Blick auf Globale Gesundheit, eine gute Koordination der Akteure untereinander sowie die Zusammenarbeit mit den Partnerländern als entscheidende Handlungsfelder. Paul Zubeil, Bundesministerium für Gesundheit (BMG), betonte, dass für den Aufbau langfristiger Strukturen Vertrauen und somit auch Kommunikation entscheidend seien. Für Deutschland sah er die Hauptaufgaben darin, bestehende Strukturen laufend zu verbessern und voneinander zu lernen. Kate Dodson von den Vereinten Nationen hatte konkrete Vorstellungen zur zukünftigen Rolle Deutschlands:

  1. Deutschland sollte weiterhin ein Brückenbauer sein,
  2. Deutschland sollte weiterhin globalen Gemeinschaftsgütern und globalen öffentlichen Gütern für die Gesundheit Vorrang einräumen,
  3. Deutschland sollte sein Engagement für gesundheitliche Belange in der Politik vertiefen und
  4. Deutschland sollte weiterhin Visionen in der Führung zeigen.

Pandemievorsorge und -reaktion: Flexible Finanzierung benötigt

„Flexible Finanzierung steht im Mittelpunkt der Pandemiebekämpfung“, sagte Dr. Githinji Gitahi, Amref Health Africa. Und damit die politischen Zusagen der G7 auch das Leben der Menschen nachhaltig verbessern, braucht es vor allem eins: finanzielle Mittel für die Umsetzung. Angela Bähr, VENRO, und Fumie Saito, Japanese Organization for International Cooperation in Family Planning, waren sich einig: es sei wichtig, auch in die bestehenden Strukturen zu investieren. Beispielsweise steht in diesem Jahr die Wiederauffüllungskonferenz des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria an. Zudem müssten im Sinne der umfassenden Gesundheitsversorgung für alle (Universal Health Coverage, UHC) die Gesundheitssysteme weiter gestärkt werden. Fumie Saito hob die Rolle der Zivilgesellschaft hervor, die vor allem für sektorübergreifende Zusammenarbeit zentral sei. Deutschland fokussiert sich auch auf die weltweite Entwicklung, Herstellung und Verteilung von COVID-19-Tests, -Behandlung und -Impfstoffen. Dr. Tania Rödiger-Vorwerk, BMZ, bekräftigte, dass die Bundesrepublik hierfür weiterhin den Access to COVID-19 Tools (ACT) Accelerator unterstütze und zudem die Stärkung der WHO im Fokus habe. Dr. Christophe Bayer, BMG, betonte ebenfalls die Wichtigkeit auf bestehenden Initiativen aufzubauen. Diesen Ansatz verfolge auch der Pakt zur Bekämpfung von Pandemien, den die G7-Gesundheitsminister*innen verabschiedet haben. Dennoch brauchen die bestehenden und neuen Strukturen vor allem eins: flexible, koordinierte und vor allem ausreichende Finanzierung.

Lesen Sie jetzt unser Papier "Papier „Pandemic Preparedness and Response within the G7 - 10 Recommendations for future health policies"

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