Fortschritte für die Männergesundheit in Deutschland und weltweit: Gesundheit für alle verbessern

28. April 2026 I  News ,  NCDs ,  Mental Health  I von : Dr. Tim Shand, Global Action on Men’s Health

Männergesundheit ist ein globales Thema und eng mit dem Wohlbefinden von Frauen verknüpft. Eine nationale Strategie in Deutschland kann vermeidbare Todesfälle reduzieren und allen zugutekommen.

Ein Fokus auf Männergesundheit wird häufig so wahrgenommen, als würde er Aufmerksamkeit von der Frauengesundheit abziehen. Für die globale Gesundheitsgemeinschaft ist es jedoch entscheidend, über dieses Nullsummendenken hinwegzukommen. 

Männergesundheit und Frauengesundheit stehen nicht in Konkurrenz – sie sind untrennbar miteinander verbunden. Schlechte Gesundheit von Männern ist ein allgemeines Problem der öffentlichen Gesundheit: Sie betrifft nicht nur die Männer selbst, sondern verursacht jährlich gesellschaftliche Kosten in Milliardenhöhe (Weltgesundheitsorganisation (WHO), 2025) und wirkt sich negativ auf andere aus, insbesondere auf Frauen. Für uns alle, die sich Sorgen über den globalen Rückschritt bei Frauenrechten und Frauengesundheit machen, ist es zudem wichtig, auch die geschlechtsspezifischen Gesundheitsbedürfnisse von Männern anzusprechen und sicherzustellen, dass sich sowohl Männer als auch Frauen gehört und wertgeschätzt fühlen. Nur so lässt sich der Eindruck entkräften, Fortschritte für Frauen gingen zulasten von Männern.

Doch wie steht es um die Männergesundheit? Weltweit sterben Männer im Durchschnitt fünf Jahre früher als Frauen. Eine zentrale Ursache für diese vorzeitige Sterblichkeit ist die höhere Wahrscheinlichkeit, an Risikofaktoren für nichtübertragbare Krankheiten (NCDs) zu sterben – insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bestimmte Krebsarten und Suizid. Diese schlechteren Gesundheitsverläufe sind keine unvermeidbare biologische Realität. Sie lassen sich verhindern, etwa durch Veränderungen individueller Verhaltensweisen und traditioneller Männlichkeitsnormen, die gesundheitsbezogenes Verhalten erschweren und zu späten Diagnosen sowie vermeidbaren Komplikationen führen können. Ebenso wichtig sind Verbesserungen im Gesundheitswesen und stärkere politische Maßnahmen. Diese Herausforderungen – geringere Lebenserwartung, hohe Krankheitslast und geringe Inanspruchnahme von Gesundheitsangeboten – zeigen sich auch in Deutschland.

International wächst die Dynamik für einen stärkeren Fokus auf Männergesundheit. Die WHO-Strategie für die europäische Region zur Gesundheit und zum Wohlbefinden von Männern aus dem Jahr 2018 sollte allen Mitgliedstaaten, einschließlich Deutschland, als Leitfaden dienen, um Männergesundheit durch gezielte Maßnahmen und geschlechtersensible Politik anzugehen. Die notwendige nationale Umsetzung in Europa blieb bislang jedoch begrenzt. Im vergangenen Jahr hat England als erstes G7-Land eine eigene Männergesundheitsstrategie verabschiedet. Irland, das bereits seit 2008 über eine solche Strategie verfügt, verzeichnet kontinuierliche Verbesserungen der Männergesundheit. 

Global Action on Men’s Health (GAMH) organisierte zudem den ersten Runden Tisch zur Männergesundheit beim World Health Summit 2025. Europas Krebsbekämpfungsplan enthält mehrere Maßnahmen zur Prävention von Krebserkrankungen bei Männern, und Europa gilt als Vorreiter bei der Ausweitung der HPV-Impfung auf Jungen und Mädchen, wodurch Krankheits- und Todesfälle deutlich reduziert werden konnten. Immer mehr Länder diskutieren inzwischen die Entwicklung nationaler Strategien für Männergesundheit – zuletzt auch Kanada.

Auch in Deutschland ist Männergesundheit kein neues Thema. Im Jahr 2021 wurde ein Deutsches Manifest für Männergesundheit von mehreren führenden Organisationen veröffentlicht, darunter das Bundesforum Männer, die Stiftung Männergesundheit und das Netzwerk Jungen- und Männergesundheit. Begleitend wurden Stellungnahmen zur Männergesundheit in den Bundestag eingebracht. Ziel war es, eine nationale Debatte darüber anzustoßen, warum Männergesundheit als Teil einer umfassenden geschlechterbezogenen Gesundheitsstrategie stärker berücksichtigt werden sollte – zum Nutzen der Männer und der Gesellschaft insgesamt. Diese Diskussionen sind inzwischen jedoch ins Stocken geraten. Dennoch setzen mehrere Organisationen ihre Arbeit und Forschung zur Männergesundheit in Deutschland fort, darunter die Stiftung Männergesundheit.

Seit 2010 hat die Stiftung Männergesundheit sechs umfassende Männergesundheitsberichte veröffentlicht, unter anderem zu Themen wie psychische Gesundheit, Sexualität, Ruhestand und Gewalt. Darüber hinaus hat sie mehr als 40 Patientenratgeber herausgegeben, etwa zu Depressionen, Prostatakrebs, Ernährung, Bewegung, Blasenkrebs, Work-Life-Balance und dem Übergang in den Ruhestand. Die Stiftung engagiert sich zudem in der Öffentlichkeitsarbeit, insbesondere im Rahmen der Internationalen Woche der Männergesundheit, die 2026 unter dem Motto „Einsamkeit ist ein Risiko – Gemeinsamkeit ist eine Ressource“ steht. Gemeinsam mit Praxis und Wissenschaft hat sie außerdem einen Beirat für sogenannte „Men’s Sheds“ in Deutschland gegründet, um soziale Verbundenheit und Wohlbefinden bei Männern zu stärken. Trotz dieser bedeutenden Beiträge steht die Stiftung vor erheblichen Herausforderungen, darunter fehlende staatliche Finanzierung, begrenzte personelle Ressourcen und eine unzureichende politische Umsetzung vorhandener Erkenntnisse.

Um diese Entwicklungen wieder zu beleben und die aktuelle Dynamik zu nutzen, organisierte GHHG gemeinsam mit GAMH am 23. April 2026 ein globales Webinar zur Förderung der Männergesundheit und deren Nutzen für alle (Aufzeichnung auf YouTube verfügbar). Daran nahmen unter anderem Sascha van Beek, Mitglied des Deutschen Bundestages und Sprecher für Männergesundheit, Alistair Strathern, Mitglied des britischen Parlaments, zusammen mit Corinna Heineke und Leonie Kienzle vom GHHG, Peter Baker und mir von der GAMH und Doris Bardehle von der Deutschen Stiftung Männergesundheit. Die Veranstaltung unterstrich die Notwendigkeit einer nationalen Männergesundheitsstrategie für Deutschland und die Bedeutung erneuerter politischer Zusammenarbeit. Diskutiert wurden internationale und nationale Gesundheitsdaten, politische Rahmenbedingungen, bestehende Lücken – insbesondere in den Bereichen psychische Gesundheit und Prostatakrebs – sowie erfolgreiche Initiativen und zukünftige Chancen in Deutschland, Europa und weltweit. Zudem wurde die Möglichkeit erörtert, einen Aktionsplan zur Männergesundheit in die neue nationale Gleichstellungsstrategie zu integrieren. Die Bundesregierung ist mit ihrer starken feministischen Tradition gut positioniert, um diese Debatte in Europa und global voranzutreiben.

Sascha van Beek, MdB, sagte beim Webinar: 

„Ich freue mich, dieses wichtige Gespräch über die Verbesserung der Männergesundheit in Deutschland zu führen. Angesichts seiner Tradition, sich für die Gesundheit und Rechte von Frauen einzusetzen, kann die Bundesregierung eine Schlüsselrolle bei der Förderung eines breiteren, genderresponsiven Ansatzes im Gesundheitswesen spielen und diese Diskussion in Deutschland, in Europa und international voranbringen. Wir können früheren Initiativen und der Forschung in Deutschland neuen Schwung verleihen. Letztlich stärkt die Investition in Männergesundheit Familien, Gemeinschaften und die wirtschaftliche Produktivität.“

Wie geht es weiter? GAMH plant, die aktuellen Impulse beim GHHG-Gipfel im Juli sowie beim World Health Summit im Oktober – beide in Berlin – weiter auszubauen. Für 2027 ist zudem ein Bericht zur realen Situation der Männergesundheit in Europa in Zusammenarbeit mit Movember geplant, ebenso der Aufbau einer europäischen Allianz zur Männergesundheit. Darüber hinaus werden derzeit Finanzierungspartner für einen eigenständigen nationalen Bericht zur Männergesundheit in Deutschland gesucht, der auf neuen gesundheitsökonomischen Analysen basiert. Weitere Informationen finden Sie unter www.gamh.org – dort können Sie sich auch für den Newsletter anmelden.

Wir haben Dr. Tim Shand, Policy Consultant bei Global Action on Men's Health, eingeladen, mit uns zu teilen, warum die Förderung der Männergesundheit in Deutschland und weltweit die Gesundheit für alle verbessern könnte. Dabei stützt er sich auch auf die Erkenntnisse des gemeinsamen Webinars mit dem Global Health Hub Germany, das am 23. April 2026 stattfand. Die von ihm geäußerten Ansichten sind seine eigenen und spiegeln nicht notwendigerweise die des Global Health Hub Germany wider.

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